Podcastwerbung (fraenk & Acast)

Autoplay-Vertrauensvorschuss, Inszenierungen von Beiläufigkeit, Dynamic Ad Insertion und gut gelaunte Radiostimmen – Momentaufnahme zum Klang von Podcastwerbung in meinem Feed. Beide Werbespots (fraenk & Acast) stammen vom Ende der „Das Podcast UFO“ Episode 310 vom 21.05.2022.

Momentaufnahme zum Klang von Podcastwerbung in meinem Feed. Beide Werbespots stammen vom Ende der Das Podcast UFO Episode 310 („Live Show Berlin“) vom 21.05.2022.

fraenk

„Helloo, ähm du wolltest doch, dass ich dir Bescheid sage, wenn ich meinen Handytarif zu fraenk gewechselt habe… Haab ich! Es ist einfach komplett per App, von einrichten bis kündigen und aktuell gibt es sogar so’ne Aktion, deswegen startet man mit sieben statt fünf Gigabyte im besten D-Netz für   zehn   Euro   monatlich  – wow, richtig gut. Deswegen lad dir mal die fraenk app runter – f r a e n k – benutz‘ den Code Vitamin[?]B und los geeht’s. Angebot gilt bis dreißigsten sechsten. Tschüüs!“

Podcastwerbung für „fraenk“ in „Das Podcast UFO“ Episode 310, 21.05.2022.

Der Spot imitiert eine Sprachnachricht und überrascht mich trotz Werbejingle am Ende der Folge, sodass ich bei den ersten Worten kurz überlege, wer das sein könnte („Helloo, ähm du wolltest doch, dass ich dir Bescheid sage, wenn […]“). Weil diese Sprachnachricht direkt an das Ende der Folge anschließt, genießt sie einige Sekunden eine Art Autoplay-Vertrauensvorschuss. Podcasts spielen auf meinem Gerät ja genauso automatisch weiter ab, wenn ich sie durch eine Sprachnachricht unterbrochen habe.

Neu scheint mir, wie „realistisch“ dieser Spot produziert ist, und damit meine ich weniger den Text und die Sprechhaltung („[…] ähm, du wolltest doch, dass ich dir Bescheid sage, wenn […]“), sondern die Geräusche im Hintergrund, welche die Nachricht ebenfalls durch den Klang von Beiläufigkeit beglaubigen sollen. Diesen Inszenierungsgrad bei Sprachnachrichten kannte ich bisher eher aus Filmen oder aus Videowerbung, die sich in Chatinterfaces abspielt.

Leider klingt der Spot dann doch schnell sehr unnatürlich. Sätze wie „[…] von einrichten bis kündigen […] im besten D-Netz […]“ sind viel zu offensichtlich durch die Schrift gegangen und das es erst heißt „du wolltest doch, dass ich dir Bescheid sage, wenn ich […] gewechselt habe„, aber dann doch von Angeboten und Rabattcodes gesprochen wird, bricht die Illusion des Mithörens auf eine ziemlich unelegante weise, sodass ich mich als Hörer im Nachhinein eher beworben als interessiert an den Spot erinnere. Aber natürlich ist es auch genau das – es bleibt Werbung. Dass zwar der Name der Firma buchstabiert wird, aber beim Rabattcode offenbleibt, ob er zusammen oder getrennt geschrieben eingegeben werden muss, fasst die Prioritäten eigentlich ganz gut zusammen.

Acast

„Hey und was ist mit dir? Hast du auch etwas zu erzählen? Dann bist du eigentlich schon ein Podcaster, oder eine Podcasterin, du weißt es nur noch nicht. Egal ob du dich einfach gerne intensiv mit FreundInnen unterhältst, der Welt deine Leidenschaft näher bringen möchtest, oder vielleicht auch dein Geschäft ausbauen möchtest – das alles kann wertvoller Gesprächsstoff für einen Podcast sein. Mit Acast ist es kinderleicht deine eigene Show zu starten. Produziere deinen eigenen Podcast. Lass dein Publikum wachsen und verdiene auf allen Plattformen wahres Geld damit. Geh‘ einfach auf acast.com, um kostenlos durchzustarten.“

Podcastwerbespot für „Acast“ in „Das Podcast UFO“ Episode 310, 21.05.2022.

Zunächst fällt mir hier im Vergleich zur Sprachnachricht (und zum Podcast) der Klang der Stimme auf. Dieser Spot ist eher produziert wie das, was ich mit Radiowerbung verbinde, also optimiert auf Verständlichkeit bei laufendem Motor und schreiendem Kind auf der Rückbank. Ein Sound, der meinem Eindruck nach mit dem Aufstieg von Dynamic Ad Insertion Technologien in Podcasts jetzt häufiger zu hören ist. Dynamic Ad Insertion meint die Möglichkeit, zielgruppengenaue Werbung im Moment des Downloads in die Podcastepisode zu montieren, sodass zwei Personen dieselbe Folge mit unterschiedlichen Werbespots auf ihrem Gerät liegen haben können. Während es im Radio selbstverständlich schien, dass alle immer dasselbe hören, löst sich diese Gewissheit in Podcasts gerade auf. Während wir bei Videowerbung an personalisierte Spots gewöhnt sind, musste ich zumindest bei Podcasts das Konzept schon öfter erklären, weil Personen mir gegenüber Werbespots erwähnten, an deren Stelle ich in derselben Episode einen anderen Spot gehört hatte.

So sehr sich der Stil und Klang von aufdringlicher und überproduzierter Radiowerbung fehl am Platz in Podcasts anfühlt, funktioniert er doch als Erinnerung daran, was zum Podcast gehört und was nicht. Etwas, was bei Videounterbrechungen auf YouTube vergleichsweise einfach und schnell zu erkennen ist, was in der Podcastwerbung aber eigentlich lange vermieden wurde. Warum verändert sich das gerade ein wenig? Vielleicht sind von den Hosts eingesprochenen Werbebotschaften einfach zu teuer geworden und nicht „dynamic“ genug, wenn mehrere Werbeplätze pro Episode verkauft werden sollen. Vielleicht ist der Markt mittlerweile aber auch einfach lukrativ und groß genug geworden, um auch die Berater:innen und Analyst:innen aufzunehmen, die Podcasts für Radio zum Runterladen halten.

Einen positiven und praktischen Nebeneffekt hat diese Entwicklung für mich allerdings. Weil ich bei dieser Art von Spots viel schneller erkenne, dass es sich um Werbung handelt (die ironischerweise trotz personalisierter Dynamic Ad Insertion viel unpersönlicher klingt), weiß ich auch schneller, wann ich vorspulen muss.

Aber zurück zum Spot, der trotz gut gelauntert Werbestimme ja noch meilenweit von der geschrienen Möbelhauswerbung aus dem Privatradio entfernt ist. Ich übersetze ihn mal so, wie ich ihn höre:

„Hey, es ging jetzt ja die ganze Zeit um andere, aber jetzt bist du dran. Du bist ja auch interessant. Das müsse die anderen nur noch hören. Egal ob labern, mansplainen, oder reich werden – das machst und willst du ja eh und das geht alles mit Podcasts. Mit Acast ist das keine Arbeit. Das, was du gerade toll fandest, könnte auch deins sein. Dann hören dir viele Leute zu und du wirst reich. Nimm dieses Gefühl und melde dich schnell an; aber keine Sorge, voll unverbindlich alles.“

Interessant finde ich auch bei diesem Spot wieder den Klang der Beiläufigkeit, hier aber in Bezug auf die Idee davon, was denn überhaupt ein Podcast ist. Während große Audioplattformen gerade mit aufwendigen und kostspieligen Exklusivpodcasts für sich werben, betont dieser Spot die niedrige Einstiegshürde und rückt das Medium damit eher in Richtung Instagram statt Netflix: Du musst nichts besonders können, sondern nur das zeigen, was du eh schon tust, und eigentlich macht es mit diesem Produkt Service Dienstleister Partner auch keine Arbeit sondern Spaß. Dazu kommt die bauchpinselnde Verheißung von Reichweite, Anerkennung und Einkommen. – „Hey und was ist mit dir?

Der Spot läuft nach einem typischen Laber- und Comedypodcast von zwei weißen Männern, die ja bekanntlich besonders anfällig dafür sind, ihre Gedanken für besonders lustig, geistreich und teilenswert zu halten. Da ich selber zu diesen weißen Männern gehöre, bin ich damit natürlich in einer besonders vielversprechenden Zielgruppe für das „Und was ist mit mir?“-Gefühl, das hier der Aufhänger der Spots ist. Aber Acast ist da selber ganz inklusiv, denn Acast braucht für Investoren und Werbekunden vor allem möglichst viele Nutzer:innen mit möglichst vielen Podcasts und möglichst vielen Hörer:innen. Wenn ein Podcast 1000 monatliche Hörer:innen erreicht, aber zehn Podcasts jeweils 100 Hörer:innen, macht das in der Exceltabelle am Quartalsende schon einen Unterschied. Zumindest bei einer Zahl steht dann etwas von Wachstum, und das ist wichtig, denn während die den Menschen zur Verfügung stehende Zeit um Podcasts Grenzen hat, ist der Platz auf den Servern im Vergleich quasi unbegrenzt.

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